Auszug - Bebauungsplan Nr. 24 "Osterstraße" hier: Vorplanung der Erschließungsplanung  

Sitzung des Bau- und Umweltausschusses der Gemeinde Münsterdorf
TOP: Ö 9
Gremium: Bau- und Umweltausschuss der Gemeinde Münsterdorf Beschlussart: geändert beschlossen
Datum: Mi, 02.09.2020 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 19:30 - 21:48 Anlass: Sitzung
Raum: Fahrzeughalle im Feuerwehrgerätehaus Münsterdorf
Ort: Kirchenfeld 1, 25587 Münsterdorf
VO/104/2020/Müdo Bebauungsplan Nr. 24 "Osterstraße"
hier: Vorplanung der Erschließungsplanung
   
 
Status:öffentlichVorlage-Art:Beschlussvorlage
Federführend:3 - Bauamt   
 
Wortprotokoll
Beschluss
Abstimmungsergebnis

Wortprotokoll

Zu diesem Tagesordnungspunkt begrüßt Vorsitzender Grell Herrn Rotert von der Ingenieurgemeinschaft Reese & Wulff.

Vorsitzender Grell führt zunächst in die Thematik ein:

Beim letzten Arbeitsgruppentreffen wurde verdeutlicht, warum der ursprünglich geplante Schmutzwasserleitungsverlauf über die Koppel und Anschluss im Bereich Siethwende/Anscharstraße nicht empfohlen werden kann.

Der tiefste Punkt der Koppel liegt ca. 1,80 m unterhalb des Anschlusspunktes der Straße. Für den Ausgleich des Höhenunterschiedes wäre eine enorme Aufschüttung (s. Präsentation) notwendig. Das gemeindeeigene Grundstück wäre für eine entsprechend notwendige Abböschung zu schmal und das benachbarte Weidegrundstück müsste hierfür mit einbezogen werden. Da es sich bei der Fläche um nachgewiesenes Wertgrünland handelt, wäre auch ein entsprechender Ausgleich für diesen Eingriff zu schaffen. Alternativ könnte auch eine Stützmauer entlang des benachbarten Grundstückes errichtet werden, dies würde jedoch einen massiven Einschnitt in das Landschaftsbild darstellen.

Aus den vorgenannten Gründen kommt diese Variante nicht länger in Betracht.

 

Es besteht die Möglichkeit, das Schmutzwasser mittels einer Druckrohrleitung und Doppelpumpwerk im Zufahrtsbereich zum Baugebiet an die Leitungen in der Osterstraße anzuschließen. Dagegen sprechen der dauerhafte Wartungsaufwand, unkalkulierbare Kosten und je nach Wetterlage eine mögliche Geruchsbelästigung am Anschlusspunkt in der Osterstraße.

 

Eine weitere Möglichkeit wäre die Verlegung der Leitung mit Freigefälle zwischen den Grundstücken der Osterstraße Hausnr. 22 und 24. Hier wäre eine Zustimmung und Einigung mit den Grundstückseigentümern schwierig.

 

Als letzte Variante wurde die Querung des Grundstückes Osterstraße 26 geprüft. Im Ergebnis wäre eine Leitungsverlegung mit Freigefälle machbar und der Grundstückseigentümer hat sich hierzu grundsätzlich bereit erklärt. Er fordert neben einer finanziellen Entschädigung auch die Straßennamensfestlegung zu Gunsten seines Vaters, der ein Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus war.

 

Nachdem die geprüften Varianten vom Vorsitzenden erklärt wurden, erteilt er Herrn Rotert das Wort, um die Kostenaufstellung für den Bau und Betrieb einer Druckrohrleitung gegenüber der Leitung mit Freigefälle über das Grundstück Osterstraße 26 zu erläutern.

Die Präsentation ist als Anlage zum Protokoll beigefügt.

 

Herr Rotert erklärt zunächst allgemein, dass für das geplante Neubaugebiet kein enormes Schmutzwasseraufkommen prognostiziert wird und erklärt, dass die nachfolgend kalkulierten Varianten beide gleichermaßen geeignet sind, das Schmutzwasseraufkommen abzuleiten

 

Zunächst geht Herr Rotert auf die Druckrohrleitung ein. Die Technik wird bereits viele Jahrzehnte hinweg angewendet, um Gefällelagen zu bewältigen.

Das anfallende Schmutzwasser wird in einem unterirdischen Tank gesammelt und wenn ein bestimmter Füllstand erreicht ist, springt die Pumpe automatisch an, um das Schmutzwasser entlang des geplanten Straßenverlaufs in die vorhandene Kanalisation der Osterstraße einzuspeisen. Es hat sich bewährt, stets zwei Pumpen zu installieren, so dass auch bei einer Störung das zweite Gerät den Vorgang fortsetzen kann. Oberflächlich ist von der Anlage nur der Schaltschrank, eine ftungsmütze und der Schachtdeckel zu sehen.

Die Baukosten belaufen sich auf rund 50.000 €, die vollumfänglich auf den Grundstückskaufpreis umgelegt werden können, was ca. 3-4 €/m² ausmacht. Eine Pumpe kann ca. für 25 Jahre eingesetzt werden. Über diese Zeitraum werden für die Gemeinde Unterhaltungs- und Wartungskosten in Höhe von 180.825 € prognostiziert, die über die Schmutzwassergebühr refinanzierbar sind.

 

Bei einer Leitungsverlegung im Freigefälle über das Privatgrundstück wurden Baukosten in Höhe von 146.941 € kalkuliert, die vollumfänglich auf den Kaufpreis umgelegt werden (7-8 €/m²). Als Besonderheiten macht Herr Rotert auf den zusätzlichen Schmutzmantel für das Abwasserrohr aufmerksam, da eine Mengeume und Bewuchs auf dem Grundstück vorhanden sind. Sollte die Gemeinde sich für diese Lösung entscheiden, sste der Bewuchs im Rahmen der Grundlagenermittlung noch näher betrachtet werden. Außerdem sind für die Herstellung an mehreren Stellen eine offene Baugrube und besondere Sicherheitsvorkehrungen vorgesehen, da vor der Anbindung an das Kanalnetz in der Osterstraße sämtliche Leitungen anderer Versorger (Strom, Gas, Telekommunikation und Regenwasserleitung) gequert werden. Die Grundstücksquerung wiederum würde je nach Einigung mit dem Eigentümer im geschlossenen Verfahren erfolgen, was etwas teurer ist. Zusätzlich wird für Unterhaltungsarbeiten die dauerhafte Herrichtung eines Betriebsweges auf der gemeindeeigenen Koppel eingeplant.

Zu den genannten Kosten sind noch die Gebühren für die dauerhafte grundbuchliche Sicherung des Leitungsrechtes und die Entschädigung hinzuzuziehen.

 

Herr Rotert wiederholt abschließend, dass beide vorgestellten Varianten gleichgute Lösungen für die Schmutzwasserbeseitigung darstellen und nach dem heutigen Wissensstand umsetzbar wären.

 

Nach der Präsentation von Herr Rotert schließt sich eine rege Aussprache über die beiden vorgestellten Varianten an.

Vorsitzender Grell geht erneut auf die mögliche Geruchsbelästigung ein, die für ihn das größte Hindernis darstellt. Denkbar wäre der Einsatz von Kohlefiltern, die zur Geruchsbindung beitragen. Herr Langenfeld erkundigt sich, ob am Übergabepunkt keine zusätzliche Belüftung erfolgt, was Herr Rotert verneint. Herr Rotert ergänzt, dass es im Bereich von Schmutzwasserleitungen im allgemeinen zu Geruchsbelastung kommen kann, da sich im Kanalnetz zwangsläufig Methangas ansammelt.

Auch die Belastung aller Gebührenzahler wird thematisiert. Frau Eisler führt aus, dass jegliche Neuschaffung der Kanalisation automatisch zu einer Mehrbelastung führt. Alle Unterhaltungs- und Betriebskosten fließen in die Gebührenkalkulation ein und jede Spülung oder Verstopfung im Kanalnetz, egal, ob im Regen- oder Schmutzwasserbereich hat Auswirkungen auf die jeweilige Gebühr.

Vorsitzender Grell berichtet, dass in der Gemeinde bereits in zwei Bereichen Pumpen installiert sind. Sowohl An der Schleuse Richtung Siethwende als auch am Klärwerk wird das Schmutzwasser gepumpt.

Er spricht sich abschließend für den Bau der Druckrohrleitung aus. Die übrigen Ausschussmitglieder tendieren zur Lösung mit Freigefälle.

rgermeister Unganz möchte die Gebühren durch den dauerhaften Pumpenbetrieb ebenfalls nicht erhöhen.

 

Herr Dieckmann erkundigt sich nach den Reparaturmöglichkeiten, wenn die Leitung auf dem Privatgrundstück beschädigt ist und ob hier die Anwendung eines Inlinerverfahrens denkbar wäre, was Herr Rotert grundsätzlich bestätigt. Alternativ kann auch ein zweites Rohr durch die vorhandene Leitung gezogen werden. Bürgermeister Unganz erkundigt sich, ob dann eine 200er Leitung angebracht wäre, was aber aufgrund der geringen Schmutzwassergesamtmenge nicht empfehlenswert ist. Die Gemeinde muss sich bei dieser Variante einfach bewusst sein, dass man an die Leitung nicht mehr ohne weiteres herankommt.

 

Hinsichtlich der weiteren Verhandlungen mit dem Grundstückseigentümer bittetrgermeister Unganz um eine Rückmeldung, was er bezüglich des Straßennamens ausrichten soll. Man einigt sich auf den schlichten Namen „Hansenstraße“ oder „Hansenweg“ und eine kleine Infotafel am Wendehammer. Herr Bargmann bietet an, Bürgermeister Unganz beim Gespräch mit dem Grundstückseigentümer zu unterstützen.

 

Beschluss

Beschluss:

Der Bauausschuss empfiehlt die Verlegung der Schmutzwasserleitung vom Baugebiet Osterstraße durch eine Querung über das Privatgrundstück Osterstraße 26 an die vorhandene Schmutzwasserkanalisation in der Osterstraße. Die Grundlagenermittlung des Ingenieurbüros für diese Variante ist fortzusetzen und die Vorplanung des Erschließungskonzeptes anzupassen.

Abstimmungsergebnis

Abstimmungsergebnis: 5 Ja-Stimmen, 1 Nein-Stimme

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Praesentation Kostenvergleich (860 KB)